Hintergrund

Obwohl die kubanische Regierung die Fehler der Vergangenheit im Umgang mit Homosexualität eingestanden hat und seit einigen Jahren einen liberaleren Umgang mit Homosexualität anstrebt, gehört die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Diskriminierung und polizeilicher Willkür zum täglichen Leben der Schwulen auf Kuba. 012

Gerade die schwule Intellektuellen- und Künstlerszene hat vor diesem starren Hintergrund in jüngster Vergangenheit eine ungeheure Dynamik entwickelt.

In den letzten Jahren hat sich durch erfolgreiche Filme bei uns ein Bild von Kuba ausgeprägt, das entweder romantisierend (“Buena Vista Social Club” und Nachfolger) oder aber durch die Beschreibung der Verfolgung Homosexueller in den 70er und 80er Jahren verzerrt ist, da diese Ereignisse auf das heutige Kuba übertragen werden (Julian Schnabels “Before Night Falls” nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Reinaldo Arenas).010

Reinaldo Arenas wird noch heute auf Kuba totgeschwiegen, seine Bücher werden nicht veröffentlicht. Der mittlerweile weltweit vielgelesene kubanische Autor ist aber auf Kuba kein Unbekannter, seine Bücher sind fester Bestandteil der sogenannten “unsichtbaren Bibliothek”, tausender verbotener Bücher, die in der Intellektuellenszene Havannas unter der Hand weitergereicht werden. Arenas Lebenslauf, sein Kampf als offen schwul lebender Künstler gegen das Regime und dessen Scheitern bilden die Bezugspunkte einer Spurensuche mit fünf unterschiedlichen homosexuellen Männern im heutigen Havanna.

Reinaldo ArenasMusik

Die Orte:

Es gibt in ganz Kuba und selbst in der 3-Millionen-Stadt Havanna keine schwule Szene nach westlichem Vorbild. Entstehen dennoch Treffpunkte in den ausschließlich staatseigenen Kneipen und Caf´s, werden 003diese kurzerhand von der Regierung geschlossen. So hat sich ein System von versteckten und privaten Treffpunkten ausgebildet, das durch täglichen Wechsel von zumeist privaten Locations den Zugriff der Staatsmacht verhindert. Dabei spielen vor allem die ”fiestas particulares” privat organisierte Partys eine wichtige Rolle, bei denen sich bis zu 300 Personen in Gärten privater Villen in den Vororten Havannas zu ausgelassenen Festen treffen. Daneben ist selbstverständlich der sechs Kilometer lange Malecón, die Uferpromenade Havannas, wichtigster und zentraler Treffpunkt bei Nacht.

Die Kamera:

Neben der Dokumentation der sechs Lebensläufe und dem reportagehaften 011Blick auf Havannas schwules Leben mit größtenteils unterschnittenem O-Ton steht ein vom Autor inszenierter Blick mit Texten von Reinaldo Arenas und Szenen mit dem Musiker Michael E. Rodríuez gegenüber. Dieser inszenierte Blick dient vor allem einem offenen Umgang mit den unausweichlich auftretenden Klischee- und Kitschmomenten, um ihnen zu entgehen, oder aber um genau diese kenntlich zu machen.

Die Produktion:

Im Jahr 2004 konnte der Autor im Laufe von zwei Recherchereisen nach Havanna das Vertrauen der Protagonisten gewinnen. Dann wurde im September und Oktober 2005 auf Sony-DV-CAM gedreht.013 Es entstanden 35 Stunden Rohmaterial. Die Postproduktion fand im Sommer 2006 in Wiesbaden statt.
Der Film ist eine eigene “Low-Budget-Produktion”. Sämtliche Beteiligten verzichteten auf Gage009n und Honorare,
die Equipement-Firmen auf Leih- und Mietgebühr. Öffentliche oder sonstige Fördermittel standen nicht zur Verfügung. Es wird eine spanische Originalfassung, eine englisch und eine deutsch untertitelte Version geben. Darüber hinaus gibt es eine deutsche Voice-Over-Version.